Casambi BLE-Mesh-Beleuchtung und KNX: Ein praktischer Integrationsleitfaden
Casambi ist ein Bluetooth-5.0-Mesh-System für Beleuchtung, das die DALI-2- oder 0-10V-Steuerleitung zwischen den Leuchten überflüssig macht und vollständig über die mobile App in Betrieb genommen wird. Die Einbindung dieses Mesh-Netzwerks in eine KNX-Anlage erfordert ein Casambi Gateway (CGW) sowie die Abbildung seiner Modbus-TCP- oder REST-Schnittstelle auf KNX-Gruppenadressen – kein natives KNX-Produkt.
Was Casambi tatsächlich ist
Casambi ist eine Bluetooth-5.0-Mesh-Steuerungsebene für Beleuchtung, kein verdrahteter Bus: Statt eine DALI-2- oder 0-10V-Steuerleitung zurück zum Verteiler zu verlegen, wird jede Leuchte entweder werkseitig „Casambi-ready“ mit integriertem Funkmodul und Firmware im Vorschaltgerät ausgeliefert, oder erhält eine kleine Casambi Bluetooth Unit (CBU), die zwischen einem Standard-0-10V- oder DALI-2-Vorschaltgerät und dem Netz verdrahtet wird. Jede Einheit empfängt und leitet Befehle gleichzeitig weiter, sodass sich das Mesh selbst heilt, wenn eine Leuchte zu Wartungszwecken abgeschaltet wird.
Die Inbetriebnahme erfolgt vollständig in der Casambi-App über Bluetooth – koppeln, gruppieren, Szenen anlegen – ohne dass für einen einzelnen Raum eine zentrale Steuerung nötig wäre. Genau das macht Casambi für Sanierungsprojekte attraktiv: keine neue Leitungsführung, kein Busankoppler an jeder Leuchte, kein DALI-2-Inbetriebnahmewerkzeug vor Ort. Der Kompromiss: Casambi ist keine KNX-Produktlinie; jede Integration läuft über ein Gateway, das das Mesh in etwas übersetzt, das eine KNX-Anlage ansprechen kann.
Wann Casambi die DALI-2-Verkabelung ersetzt – und wann nicht
Casambi lohnt sich dort, wo das Verlegen neuer Steuerleitungen der teure Teil des Projekts ist: denkmalgeschützte Gebäude, Sanierungen im laufenden Betrieb, Austausch abgehängter Decken oder jede Baustelle, an der die Netzverkabelung bereits vorhanden ist, ein DALI-2-Bus jedoch fehlt. Da jede CBU oder jedes Casambi-ready-Vorschaltgerät nur einen 230-V-Netzanschluss benötigt, entfällt beim nachträglichen Einbau der zweite Leitungsweg komplett.
Es ersetzt DALI-2 nicht auf großen offenen Flächen oder dort, wo die Diagnose einzelner Kurzadressen wichtig ist. Casambis eigene Inbetriebnahme-Empfehlung hält ein einzelnes Netzwerk klein genug, damit die Relais-Hops kurz und die Reaktionszeit schnell bleiben – in der Praxis bedeutet das, eine große offene Fläche in mehrere separat gebrückte Casambi-Netzwerke aufzuteilen, statt ein einziges flaches Mesh über das gesamte Gebäude zu spannen.
Metallschaltschränke dämpfen BLE 5.0. Eine CBU oder ein Casambi-ready-Vorschaltgerät in einem geschlossenen Metallgehäuse einer Leuchte oder hinter einer großen Verteilertafel kann bereits wenige Meter von den Nachbarknoten außerhalb der Mesh-Reichweite fallen. Knotendichte und Gehäusematerial vor der endgültigen Leuchtenplanung klären, nicht danach.
Wie das CGW-Gateway Casambi mit KNX verbindet
Das Casambi Gateway (CGW) ist die verdrahtete Einheit im lokalen Netzwerk, die den Zustand des Mesh – Ein/Aus von Leuchte und Gruppe, Dimmstufe sowie Farbtemperatur bei Tunable-White-Leuchten – über eine lokale REST-API und einen Modbus-TCP-Registersatz bereitstellt. KNX besitzt keinen nativen Casambi-Treiber, daher liest ein zweites Gerät (ein Modbus-TCP-zu-KNX-Gateway oder ein KNX-Logikcontroller mit Modbus-TCP-Client) die Register des CGW aus und schreibt sie auf KNX-Gruppenadressen – und umgekehrt für Befehle in die andere Richtung.
Bevor überhaupt verdrahtet wird: aktuelles Casambi-Gateway-Integrationshandbuch besorgen und die Registerbelegung für die vor Ort installierte Firmware-Version prüfen – Casambi hat die Registerbelegung zwischen größeren CGW-Firmware-Versionen bereits geändert, und nur das Handbuch garantiert aktuelle Adressen.
| Casambi-Gateway-Funktion | Typischer KNX-Datenpunkttyp | Hinweise |
|---|---|---|
| Leuchten-/Gruppenschalter | DPT 1.001 (Switch) | Eine KNX-Gruppenadresse pro Casambi-Gruppe, nicht pro DALI-2-Kurzadresse |
| Dimmstufe 0-100 % | DPT 5.001 (Scaling) | Registerskala des CGW vor der Zuordnung prüfen – je nach Firmware-Version 0-254 oder 0-100 |
| Farbtemperatur (Tunable White) | DPT 7.600 (Colour Temperature) | Nur bei Leuchten vorhanden, die tatsächlich Tunable-White-Casambi-Firmware nutzen |
| Szenenabruf | DPT 18.001 (Scene Control) | Nur Auslöser – der eigentliche Szeneninhalt bleibt in der Casambi-App, nicht in KNX |
Inbetriebnahme Schritt für Schritt
Zuerst die Casambi-Seite vollständig in Betrieb nehmen, bevor KNX angefasst wird – ein Mesh, das für sich allein nicht stabil läuft, wird über ein Gateway nie stabiler wirken.
- Jede CBU bzw. jedes Casambi-ready-Vorschaltgerät in der App koppeln und die Signalstärke an jeder Leuchte prüfen
- Leuchten gruppieren und die Szenen anlegen, die später von KNX ausgelöst werden
- Das Netzwerk mindestens 24 Stunden unbeaufsichtigt laufen lassen und auf ausgefallene Knoten prüfen
- Das CGW mit statischer IP oder DHCP-Reservierung ins Netzwerk aufnehmen
- Das Modbus-TCP-/REST-Bridge-Gerät auf diese IP richten und die aktuelle Registerbelegung importieren
- Jedes Register einer KNX-Gruppenadresse zuordnen und Schalten, Dimmen sowie Szenenabruf einzeln testen
Fehlerbilder, auf die Installateure tatsächlich stoßen
Latenz fällt Kunden als Erstes auf: Ein Befehl, der über mehrere BLE-Hops weitergeleitet wird, bis er das entfernte Ende eines Mesh erreicht, kann spürbar länger brauchen als über einen verdrahteten DALI-2-Bus – besonders direkt nachdem eine Leuchte wieder eingeschaltet wurde und noch dem Netzwerk beitritt. Keine showlichttaugliche Synchronisierung über ein großes Mesh versprechen.
Die Abhängigkeit von der Firmware-Version ist die Tücke, die erst Monate nach der Übergabe auffällt: Ein automatisches Update der Casambi-App oder der CGW-Firmware kann die Modbus-Registerbelegung ändern und die KNX-Zuordnung stillschweigend zerstören, bis jemand das aktuelle Integrationshandbuch erneut liest und die betroffenen Register neu zuordnet.
Zwei weitere Punkte einplanen: DALI-2-Kurzadress-Diagnosen überstehen den Weg über Casambi und das CGW nicht – nur der Gruppenzustand erreicht KNX, sodass ein Techniker für die Fehlersuche an einzelnen Vorschaltgeräten weiterhin die Casambi-App braucht. Und ein gemeinsames 24-V-DC-Netzteil für mehrere CBUs muss anhand der tatsächlichen Stromaufnahme jeder Einheit laut Datenblatt dimensioniert werden, nicht nach einer Pauschalzahl, mit Reserve für Strom-Spitzen durch Mesh-Relaying und Firmware-Updates.
Wo das im Schaltschrankbau seinen Platz hat
Ein CGW und seine Modbus-/KNX-Bridge sind Niederspannungs-, Kleinstromgeräte, die eine eigene Hutschiene im Verteiler bekommen sollten – neben, nicht auf derselben Klemmleiste wie, dem Busspannungsversorger der KNX-Linie. Der Schaltschrankbau-Service von PanelCraft reserviert diesen Hutschienenplatz und die 24-V-DC-Busversorgung bereits bei der ersten Planung, sodass die Gateway-Hardware vor dem Inbetriebnahmetag einen dokumentierten, beschrifteten Platz hat, statt nachträglich ergänzt zu werden. Grundlagen zur Verkabelung finden sich in der Wissensdatenbank, bevor ein gemischter Casambi-/KNX-Schrank geplant wird.
Häufig gestellte Fragen
Braucht Casambi eine zentrale Steuereinheit?
Nein. Ein eigenständiges Casambi-Netzwerk läuft Peer-to-Peer über Bluetooth-Mesh und wird aus der App in Betrieb genommen; ein CGW wird nur benötigt, wenn dieses Netzwerk mit KNX, Modbus oder einem anderen Gebäudesystem verbunden werden soll.
Kann Casambi die Dimmkurve eines DALI-2-Vorschaltgeräts direkt steuern?
Ja, über eine mit dem DALI-2-Vorschaltgerät verdrahtete CBU – die CBU übernimmt die DALI-2-Adressierung intern, aber dieses Detail pro Vorschaltgerät wird über die KNX-seitigen Register des CGW nicht bereitgestellt, nur der Gruppenzustand.
Was unterscheidet ein Casambi-ready-Vorschaltgerät von einem CBU-Modul?
Ein Casambi-ready-Vorschaltgerät hat Funkmodul und Firmware werkseitig integriert; eine CBU ist eine separate Zusatzeinheit, die zwischen Netz, einem Standard-0-10V- oder DALI-2-Vorschaltgerät und der Leuchte verdrahtet wird – für den Fall, dass das Vorschaltgerät selbst nicht Casambi-ready ist.
Wie viele Leuchten verträgt ein Casambi-Netzwerk zuverlässig?
Casambis eigene Empfehlung hält ein einzelnes Netzwerk in einem Bereich, in dem Relais-Hops kurz und Befehle reaktionsschnell bleiben – bei größeren offenen Flächen die Fläche in mehrere separat gebrückte Netzwerke aufteilen, statt ein einziges flaches Mesh zu skalieren.
Braucht das CGW-Gateway eine Internetverbindung, um mit KNX zu verbinden?
Nein. Sobald das Mesh in Betrieb genommen ist, funktionieren die lokalen Modbus-TCP- und REST-Schnittstellen des CGW im LAN ohne Internetzugang; Cloud-Konnektivität wird nur für den Fernzugriff per App oder Firmware-Updates benötigt.
Kann ein KNX-Taster eine Casambi-Szene auslösen?
Ja, wenn das Szenenabruf-Register über die CGW-Bridge einer KNX-Gruppenadresse (DPT 18.001) zugeordnet ist – der Taster sendet ein KNX-Telegramm, die Bridge schreibt es auf das CGW, und das CGW spielt die in der Casambi-App gespeicherte Szene ab.
Schaltschrank für eine Casambi-/KNX-Bridge planen?
PanelCraft entwirft und CE-zertifiziert den Verteilerschrank rund um das CGW, seine Modbus-/KNX-Bridge und die dafür nötige 24-V-DC-Busversorgung – verdrahtet, beschriftet und bereit zur Inbetriebnahme.
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