BACnet/IP · Intesis IN701KNX · MAPS · Desigo CC · 10 Min. Lesezeit

KNX zu BACnet/IP Gateway: Intesis IN701KNX und ETS6 Konfiguration

Die Integration von KNX mit einem Gebäudemanagementsystem, das BACnet/IP spricht, erfordert ein dediziertes Protokoll-Gateway. Der Intesis IN701KNX übersetzt KNX-Gruppenadress-Telegramme in BACnet-Objekte – und gibt dem BMS Lese- und Schreibzugriff auf jedes KNX-Gerät, ohne die KNX-Installation oder das ETS6-Projekt zu ändern.

Wann BACnet/IP-Integration erforderlich ist

Kommerzielle Gebäude, die von Unternehmens-BMS-Plattformen verwaltet werden – Siemens Desigo CC, Schneider EcoStruxure, Honeywell Niagara Framework oder Johnson Controls Metasys – verwenden BACnet/IP als primäres Integrationsprotokoll. KNX übernimmt die Raumautomation, Beleuchtung und Jalousien auf Geräteebene, aber das BMS muss eine einheitliche Ansicht des Gebäudes für zentrale Überwachung, Alarmierung, Trendanalyse und Fehlermanagement bereitstellen.

Ohne Gateway kann der BMS-Betreiber keine KNX-Raumtemperaturen, Anwesenheitszustände, Beleuchtungsstärken oder Fensterpositionen sehen. Von KNX-Geräten generierte Alarme können den BMS-Alarmmanager nicht erreichen. Historische Trendanalyse für Energieberichte und Fehleranalyse ist nicht möglich. Der IN701KNX löst dies, indem er als BACnet/IP-Server fungiert: Er stellt jede gemappte KNX-Gruppenadresse als standardmäßiges BACnet-Objekt dar, das jeder BACnet/IP-Client lesen, schreiben und abonnieren kann.

BMS-Plattformen, die BACnet/IP benötigen

  • Siemens Desigo CC (punktbasierte Lizenzierung)
  • Schneider EcoStruxure Building Operation
  • Honeywell Niagara Framework (Tridium)
  • Johnson Controls Metasys
  • Trend IQ Vision und BEMS-Plattformen

Was das BMS über BACnet von KNX profitiert

  • Zentralisiertes Alarmmanagement für KNX-Geräte
  • Historische Trendaufzeichnung von Raumtemperaturen, Energie
  • Sollwertübersteuerung über BMS-Grafiken
  • Belegungsgesteuerte RLT- und Lichtsteuerung
  • BMS-Fehlererkennung über KNX-Feldgeräte

IN701KNX Hardware

Der Intesis IN701KNX ist ein DIN-Schienen-Gateway, das 4 Moduleinheiten auf einer 35-mm-Schiene belegt. Es verfügt über einen KNX-TP-Busanschluss (Schraubklemme), einen RJ45-Ethernet-Port für BACnet/IP und Konfiguration, einen USB-B-Konfigurationsport für die IntesisBox MAPS-Software und eine 24VDC-Hilfsstromversorgungsklemme. Das Gerät bezieht keinen Strom vom KNX-Bus – eine dedizierte 24VDC-Versorgung ist zwingend erforderlich.

Technische Daten des IN701KNX

Model comparison:
  IN701KNX          — 1,000 bidirectional signals
  IN701KNX300000    — 3,000 bidirectional signals

Physical:
  DIN-rail: 4 modules (72mm width)
  Power supply: 24VDC ±10%, 150mA (not from KNX bus)
  KNX TP: screw terminal, 30mA bus power draw
  Ethernet: RJ45, 10/100 Mbit/s
  USB: Type-B, configuration only

BACnet role:
  BACnet/IP server (not client)
  Responds to BACnet WhoIs broadcasts
  Handles COV (Change of Value) subscriptions
  Supports BACnet Read/Write Property services
  BACnet/IP port: 47808 (0xBAC0) default

BACnet/IP-Server-Rolle – wichtiger Unterschied

Der IN701KNX ist ein BACnet/IP-Server, kein Client. Die GLT fungiert als BACnet/IP-Client und initiiert die gesamte Kommunikation – Lese-, Schreib- und COV-Abonnements. Das Gateway fragt die GLT nicht ab. Das bedeutet, dass das Gateway von der GLT-Workstation aus per IP erreichbar sein muss und die BACnet-Geräteinstanznummer im gesamten BACnet-Netzwerk eindeutig sein muss, um Konflikte zu vermeiden.

IntesisBox MAPS Software

IntesisBox MAPS ist das kostenlose Windows-Konfigurationstool für alle Intesis-Gateways. Laden Sie es von der Intesis-Website herunter und installieren Sie es auf einem Windows-PC. Verbinden Sie sich mit dem IN701KNX über USB oder Ethernet. Erstellen Sie ein neues Projekt und konfigurieren Sie drei wichtige Parameter, bevor Sie die Signaltabelle erstellen.

MAPS-Projekteinrichtung – drei erforderliche Parameter

1. BACnet device instance
   Must be unique across the entire BACnet network
   Example: 10001 (check with BMS engineer for conflicts)
   Range: 0 – 4,194,302

2. KNX individual address
   Assign in ETS6 before MAPS configuration
   Example: 1.1.250 (area 1, line 1, device 250)
   The address must be programmed into the gateway
   via ETS6 download before MAPS sends KNX telegrams

3. BACnet/IP port
   Default: 47808 (0xBAC0 in hex)
   Change only if another BACnet device on the LAN
   uses the same port — rare in practice

ETS6-Voraussetzung: Der IN701KNX muss eine KNX-Individualadresse programmiert haben, bevor er auf dem KNX-Bus kommunizieren kann. Laden Sie die Intesis ETS6-Produktdatenbank aus dem ETS Online-Katalog herunter, fügen Sie das Gerät zum ETS6-Projekt hinzu, weisen Sie die Adresse 1.1.250 (oder wie geplant) zu und laden Sie sie herunter. Erst nach Abschluss des ETS6-Downloads kann die MAPS-Konfiguration fortgesetzt werden – MAPS verwendet die Individualadresse zum Senden und Empfangen von KNX-Telegrammen.

Konfiguration der Signaltabelle

Die MAPS-Signaltabelle ist der Kern der Gateway-Konfiguration. Jede Zeile definiert eine Übersetzung zwischen einem BACnet-Objekt und einer KNX-Gruppenadresse. Die Tabelle bestimmt, welche KNX-Werte die GLT lesen kann, welche sie schreiben kann und mit welcher Rate Änderungen weitergeleitet werden. Planen Sie die Signaltabelle vor dem Öffnen von MAPS in einer Tabellenkalkulation – in Tabellenform ist sie viel einfacher zu überprüfen und mit dem GLT-Ingenieur zu teilen.

SpalteOptionen / FormatAnmerkungen
BACnet-ObjekttypAV / BV / MSVAnalogwert, Binärwert, Mehrzustandswert
BACnet-InstanznummerGanzzahl, z.B. 001Eindeutig pro Objekttyp innerhalb dieses Geräts
Datentyp des aktuellen WertsREAL / BOOL / UINTMuss mit dem BACnet-Objekttyp übereinstimmen
KNX-Gruppenadressex/y/z-Format, z.B. 1/0/1Aus der ETS6-Gruppenadressentabelle
KNX DPTz.B. DPT 9.001, DPT 1.001Muss mit dem ETS6 DPT für diese GA übereinstimmen
RichtungB→K / K→B / BidirektionalB=BACnet-Client schreibt; K=KNX-Gerät sendet
Abfrageintervall1s – 3600s oder COVFür reinen Lesestatus; COV für ereignisgesteuerte Nutzung

BACnet-zu-KNX-DPT-Zuordnung

Die Auswahl des korrekten BACnet-Objekttyps für jeden KNX-DPT verhindert Skalierungsfehler und Typkonflikte. Der IN701KNX wendet die DPT-basierte Skalierung automatisch an, wenn der DPT in MAPS korrekt eingestellt ist – ein DPT 5.001 Prozentwert (0–100 %) wird ohne manuelle Skalierungsfaktoren auf einen Analog Value Present Value von 0,0–100,0 abgebildet.

KNX DPTBeschreibungBACnet-ObjekttypWertebereich
DPT 1.001Schalter (0=aus, 1=ein)BV (Binärwert)inaktiv / aktiv
DPT 1.008Auf/AbBV (Binärwert)inaktiv / aktiv
DPT 5.001Prozent (0–100%)AV (Analogwert)0.0 – 100.0
DPT 5.005Dezimalwert (0–255)AV (Analogwert)0.0 – 255.0
DPT 9.001Temperatur (°C)AV (Analogwert)-273.0 – 670760.96
DPT 9.004Leistung (kW)AV (Analogwert)-671088.64 – 670760.96
DPT 12.0014-Byte-Zähler (kWh)AV (Analogwert)0 – 4294967295
DPT 17.001Szenennummer (0–63)MSV (Multi-State Value)1 – 64

Praktisches Beispiel zur AHU-Integration

Ein typisches kommerzielles Projekt integriert eine Siemens Synco 700 RLU220 BACnet/IP-AHU-Steuerung mit einem KNX-Raumautomationssystem über das IN701KNX-Gateway. Die GLT benötigt KNX-Belegungsinformationen, um AHU-Sollwertänderungen vorzunehmen, und die GLT muss die AHU-Zulufttemperatur auf KNX-verbundenen Raumdisplays anzeigen.

Beispiel einer AHU-Integrationssignaltabelle

Signal  BACnet Object    KNX GA      DPT        Direction   Description
001     AV 001 (REAL)    4/0/1       DPT 9.001  K→B→K      Room setpoint (°C)
002     BV 002 (BOOL)    4/0/5       DPT 1.001  K→B        Occupancy status
003     AV 003 (REAL)    4/0/10      DPT 9.001  B→K        AHU supply air temp
004     AV 004 (REAL)    4/0/15      DPT 5.001  B→K        AHU fan speed %
005     BV 005 (BOOL)    4/0/20      DPT 1.001  B→K        AHU run/stop status

Integration flow:
  KNX PIR detector → GA 4/0/5 (DPT 1.001) → IN701KNX → BACnet BV 002
  Desigo CC reads BV 002 → triggers AHU occupancy mode via RLU220
  RLU220 supply air temp → IN701KNX BACnet AV 003 → KNX GA 4/0/10
  Gira X1 room display reads GA 4/0/10 → shows supply air temperature

Hinweise zum Synco 700 RLU220

Der RLU220 ist ein nativer BACnet/IP-Controller – er kommuniziert direkt mit Desigo CC ohne Gateway. Der IN701KNX befindet sich neben ihm im BACnet/IP-Netzwerk und bietet KNX-Signalzugriff auf dasselbe Desigo CC-System.

Sollwertrichtung: bidirektional

Der Raumsollwert (Signal 001) ist bidirektional: Der KNX-Raumcontroller sendet Aktualisierungen an BACnet, wenn der Bewohner den Thermostat anpasst; Desigo CC kann den Sollwert durch Schreiben auf AV 001 überschreiben, welches das Gateway an KNX GA 4/0/1 weiterleitet.

Siemens Desigo CC Integration

Bei eingeschaltetem IN701KNX, programmiert mit ETS6 und hochgeladener MAPS-Signaltabelle erfolgt die Integration in Desigo CC über den standardmäßigen BACnet/IP-Treiber-Workflow. Desigo CC erkennt das Gateway mittels BACnet WhoIs-Broadcast oder manueller IP-Eingabe.

Desigo CC Integrationsschritte

1. Desigo CC Management Station
   → System → Networks → BACnet driver
   → Add Network: BACnet/IP, BBMD address if needed

2. Discover or manually add IN701KNX:
   → Add Device: IP = 192.168.1.250, Instance = 10001
   → Desigo CC queries device for object list

3. Auto-import object list:
   → All configured AV, BV, MSV objects appear
   → Check names match MAPS signal descriptions

4. Bind to Desigo CC functions:
   → Alarms: bind BV objects to Alarm Management
   → Trends: bind AV objects to Trend Log objects
   → Graphics: drag AV/BV to floorplan graphics

Point-based licensing note:
   Each BACnet object imported into Desigo CC
   consumes one point licence. Confirm total count
   with Siemens before ordering the licence package.

COV-Abonnements in Desigo CC: Desigo CC abonniert standardmäßig BACnet COV (Change of Value) für alle importierten Objekte. Der IN701KNX verarbeitet COV-Abonnements mehrerer Clients gleichzeitig – nützlich, wenn Desigo CC und ein sekundärer Client (z. B. ein Energiemonitoringsystem) dieselben AV-Objekte abonnieren. Die COV-Lebensdauer beträgt typischerweise 300 Sekunden; Desigo CC verlängert Abonnements automatisch vor Ablauf.

Inbetriebnahme und Validierung

Eine systematische Inbetriebnahme stellt sicher, dass die Signaltabelle in beide Richtungen korrekt ist, bevor der BMS-Ingenieur Desigo CC anschließt. Verwenden Sie die MAPS-Diagnoseansicht und Yabe BACnet Explorer (kostenloses Open-Source-Tool) zur Validierung.

Inbetriebnahme-Validierungssequenz

KNX → BACnet direction test:
  1. Open ETS6 Group Monitor
  2. Send write telegram to GA 4/0/1 (value: 21.5°C)
  3. Open MAPS Diagnostic tab
  4. Confirm Signal 001 shows updated value 21.5
  5. Open Yabe BACnet Explorer → Read AV 001 Present Value
  6. Confirm Yabe reads 21.5 ✓

BACnet → KNX direction test:
  1. In Yabe: Write AV 001 Present Value = 22.0
  2. MAPS Diagnostic confirms write received
  3. ETS6 Group Monitor shows telegram on GA 4/0/1
  4. Value = 22.0°C ✓

Diagnostic LED status (IN701KNX front panel):
  PWR (green solid)   — 24VDC power OK
  KNX (green blink)   — KNX bus active, telegrams exchanged
  ETH (green blink)   — Ethernet link active
  ERR (red blink)     — configuration error or signal fault

Häufige Inbetriebnahmefehler

  • KNX individuelle Adresse nicht über ETS6 vor MAPS heruntergeladen
  • BACnet-Geräteinstanzkonflikt mit einem anderen Gerät im LAN
  • DPT-Konflikt zwischen MAPS und ETS6 Gruppenadresse
  • Falsche Richtung: Sollwert nur K→B gesetzt, verhindert BMS-Schreibzugriffe

Yabe BACnet Explorer

Kostenloser Open-Source-BACnet/IP-Browser für Windows. Erkennt alle BACnet-Geräte im LAN, liest und schreibt Objekteigenschaften und protokolliert COV-Benachrichtigungen. Unverzichtbar für die Vorab-Inbetriebnahme des BMS – ermöglicht vollständige Signaltafelvalidierung vor der Desigo CC-Verbindung.

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