Rauchmelder-Verkabelung: 2-Draht- und 4-Draht-Schleifenkonfigurationen
Die korrekte Verdrahtung von Brandmeldeschleifen ist grundlegend für einen zuverlässigen Alarmbetrieb. Diese Anleitung behandelt konventionelle 2-Draht-Zonenschleifen mit Endwiderständen, adressierbare 4-Draht-Schleifen mit Hochiki ESP- und Notifier FlashScan-Protokollen, Klasse A- und Klasse B-Schleifenkonfigurationen, Melderabstandsregeln sowie die Kabelanforderungen gemäß BS 5839-7 und EN 50200.
Sicherheitshinweis: Die Verkabelung von Brandmeldeanlagen muss von Ingenieuren durchgeführt werden, die mit BS 5839-1 (UK) oder EN 54 (EU) vertraut sind. Falsche Verkabelung – falscher Schleifenwiderstand, fehlender Abschlusswiderstand, gemischte Kabeltypen – führt dazu, dass die Zentrale einen Fehler meldet oder im schlimmsten Fall einen echten Brand nicht erkennt. Die gesamte Verkabelung muss von einem qualifizierten Inbetriebnahme-Ingenieur geprüft und abgenommen werden.
2-Draht-Konventionelle Schleife: Funktionsweise
Eine konventionelle 2-Draht-Zonenschleife verwendet dasselbe Adernpaar sowohl für die Stromversorgung der Melder als auch für die Alarmrückmeldung an die Zentrale. Die Zonenkarte der Brandmeldezentrale versorgt die Schleife mit 24 V DC; die Melder ziehen einen geringen Ruhestrom und einen deutlich höheren Strom im Alarmfall.
Elektrische Eigenschaften
- • Schleifenversorgungsspannung: 24 V DC von der Zonenkarte der Zentrale
- • Ruhestrom pro Melder: 50–100 μA (variiert je nach Modell)
- • Alarmstrom pro Melder: ~60 mA (verursacht Spannungsabfall – Zentrale erkennt Alarm)
- • Abschlusswiderstand (EOL): typischerweise 10 kΩ, am letzten Melder angebracht
- • Unterbrechung (Kabelbruch): Die Zentrale meldet Zonenfehler — kein Strom über den EOL-Widerstand
- • Kurzschluss: Die Zentrale meldet Zonenfehler — Strom überschreitet Alarmschwelle ohne Melderauslösung
Berechnung des Zonenstroms
- • Maximaler Zonenstrom (Bereitschaft): durch Zonenkarte begrenzt — typischerweise 300–500 mA gesamt
- • 32 Melder mit je 100 μA = 3,2 mA Bereitschaftsstrom — weit unter dem Grenzwert
- • Maximale Melder pro Zone: 32 konventionelle Melder (Richtlinie BS 5839-1)
- • Alarmstromkapazität der Zonenkarte: muss alle Melder gleichzeitig im Alarmfall versorgen können
- • Vor der Schleifenplanung stets den maximalen Zonenstrom aus dem Datenblatt der Zentrale bestätigen
- • Use detector manufacturer's standby and alarm current specifications for precise sizing
Konventioneller 2-Draht-Schleifen-Schaltplan
Zone card (panel)
+24V ─────┬─────── Detector 1 ───── Detector 2 ─── ... ─── Detector N
│ │ │ │
COM ──────────┴─────────────────┴───────────────────────┤
EOL resistor
10 kΩ (typical)
fitted at last
detector base
Normal (standby):
Current path: +24V → detectors (50-100μA each) → EOL 10kΩ → COM
Panel measures: expected standby current (loop healthy)
Alarm (detector triggered):
Detector internal circuit: reduces loop resistance → current rises to ~60mA
Panel measures: current spike above alarm threshold → ALARM
Fault (open circuit — cable break):
EOL resistor disconnected → no current → panel detects OPEN CIRCUIT → FAULT
Fault (short circuit):
+24V shorted to COM → excess current → panel detects SHORT → FAULT4-Draht-Adressierbare Schleife: Hochiki ESP und Notifier FlashScan
Addressable loops use a 4-core cable — two conductors for power (24V and 0V) and two for a data bus (A and B). The panel polls each device's unique address every 3 seconds; each detector responds with its current status, analogue sensitivity reading and any fault conditions. This gives device-level identification instead of zone-only.
Hochiki ESP Protokoll
- • Adressbereich: 1–127 Geräte pro Schleife (Drehschalter oder Softwareadressierung)
- • Abfragezyklus: alle 3 Sekunden pro Gerät – die Zentrale empfängt den Analogwert
- • Datenformat: proprietäres ESP-Protokoll – die Zentrale liest die Drift der Empfindlichkeit über die Zeit
- • Melderarten: DCP-E (optisch), DFJ-E (thermisch), DCSP-E (Mehrfachsensor)
- • Maximaler Schleifenwiderstand: 40Ω gesamt (A+B-Leiter kombiniert)
- • Kabel: 4×0,75mm² geschirmt, feuerbeständig nach BS 5839-7 CPC
Notifier FlashScan-Protokoll
- • Adressbereich: 1–99 Geräte pro Schleife (physikalische Adressierung über Drehschalter)
- • Abfragezyklus: Scan alle 3–4 Sekunden, schneller im Voralarmzustand
- • FlashScan CLIP-Modus: kompatibel mit älteren Ein-Mann-Ein-Stimme-Detektoren
- • Detektortypen: System Sensor FAPT951, FAOT951 optisch, FAHT951 thermisch
- • Maximaler Schleifenwiderstand: 40Ω gesamt
- • Klasse-A-Schleife: beide Enden zur Zentrale zurück (Schleifenkarte mit 2 × Klasse-B-Anschlüssen)
4-Draht-adressierbare Schleife – Klasse B (Stichleitung) vs. Klasse A (Schleife)
CLASS B (spur) — EN 54-2 Clause 13.1:
Panel loop card
A+ ──── Det.1 ──── Det.2 ──── Det.3 ─── [end of spur]
A- ────────────────────────────────────── (return)
B+ ──── [open end — fault if cable break between any detectors]
Fault: cable break → detectors beyond break go offline
Use: small buildings, short spurs, low risk of cable damage
CLASS A (loop) — EN 54-2 Clause 13.2:
Panel loop card
A+/A- ──── Det.1 ──── Det.2 ──── Det.3 ──── Det.N ──── B+/B-
│
Loop returns to panel (second pair)
Fault: cable break → panel detects break AND isolates section
Remaining detectors on both sides of break still operational
Use: commercial buildings, escape routes, high-risk areas
Note: requires addressable loop isolator modules between detectorsKabelspezifikation: BS 5839-7 und EN 50200
Die Kabelauswahl für Brandmeldesysteme wird durch BS 5839-7 (UK) und EN 50200 (EU) geregelt. Beide Normen erfordern feuerbeständige Kabel, die unter Brandbedingungen die Stromkreisfunktion aufrechterhalten – so dass das System auch bei Beeinträchtigung der Gebäudestruktur weiterarbeiten und Alarme signalisieren kann.
| Anwendung | Kabeltyp | Querschnitt | Abschirmung | Brandschutzklasse |
|---|---|---|---|---|
| Konventionelle 2-Draht-Zone | FPLR oder BS 5839-7 CPC | 2×1,5 mm² | Nicht erforderlich | FE180/E30 minimal |
| Adressierbare 4-Draht-Schleife | BS 5839-7 CPC geschirmt | 4×0,75mm² | Gesamtschirm erforderlich (Datenintegrität) | FE180/E90 (90 min Integrität) |
| Signalgeberkreise | FPLR oder BS 5839-7 FP200 Gold | 2×1,5 mm² | Nicht erforderlich | FE180/E30 minimal |
| Panel-Stromversorgung | feuerbeständig 2-adrig | 2×2,5mm² oder pro Last | Nicht erforderlich | FE180/E60 mindestens |
| Relaisausgang an KNX | feuerbeständig (Brandseite) + LSZH (KNX-Seite) | 2×1,5 mm² | Auf KNX-Seite nicht erforderlich | FE180/E90 auf Brandseite |
Kabelverlegungsregeln
- • Mindestabstand zu Stromkabeln: 50 mm freier Luftspalt oder feuerbeständige Trennwand dazwischen
- • Separater Kanal oder Kabelträger von allen anderen Kabeltypen — niemals mit Daten-, AV- oder Stromkabeln teilen
- • Feuerfeste Befestigungen: Keramik- oder Edelstahlclips verwenden, keine Standard-Kunststoff-P-Clips
- • Cable penetrations through fire-rated walls: use intumescent fire-stop collars rated to at least the cable's fire performance rating
- • Schirmerdung: Der Schirm des Adressierbaren Schleifenkabels muss nur an einem Ende (typischerweise am Schrankende) geerdet werden, um Erdschleifen zu vermeiden
Rauchmelder-Typen und EN 54 Normen
Verschiedene Detektortechnologien reagieren auf unterschiedliche Brandmerkmale. Die Auswahl des richtigen Detektortyps für jede Umgebung ist entscheidend für die Erkennungsleistung und die Vermeidung von Fehlalarmen.
Ionisationsrauchmelder
Früher EN 54-7
- • Technologie: Americium-241-Radioisotop ionisiert Luft – Rauchpartikel stören den Ionenstrom
- • Am besten geeignet für: Schnellflammenbrände mit wenig sichtbarem Rauch (Papier, dünnes Holz)
- • Nicht geeignet für: langsame Schwelbrände, staubige Umgebungen
- • Regulatorischer Status: In vielen EU-Staaten aufgrund der radioaktiven Quelle verboten – vor der Spezifikation lokale Gesetze prüfen
- • Ersatz: Optischer/photoelektrischer Melder ist heute in den meisten EU-Märkten Standard
Fotoelektrischer / optischer Rauchmelder
EN 54-7 zertifiziert
- • Technologie: Infrarot-LED-Streuung – Rauchpartikel streuen Licht auf Fotodiode
- • Am besten geeignet für: langsame Schwelbrände, die meisten gewerblichen und Wohnanwendungen
- • Standardwahl für die Mehrheit der KNX-integrierten Brandschutzprojekte
- • Niedrigere Falschalarmrate als Ionisationsmelder in den meisten Umgebungen
- • Beispiel: Hochiki DCP-E, Apollo Discovery optisch, System Sensor FAOT951
Wärmemelder
EN 54-5 zertifiziert (Klasse A1R)
- • Technologie: Thermistor oder Schmelzlegierung — löst bei fester Temperatur oder Temperaturanstiegsgeschwindigkeit aus
- • Klasse A1R: fester Schwellwert 58°C + Temperaturanstieg ≥ 3°C/min
- • Am besten geeignet für: Küchen, Garagen, Heizungsräume — Umgebungen, in denen Rauchmelder Fehlalarme auslösen
- • Nicht geeignet für Bereiche, in denen eine Frühwarnung vor Schwelbränden erforderlich ist
- • Nicht als Ersatz für Rauchmelder in belegten Fluchtwegen verwenden
Multisensor- (Kombinations-) Melder
EN 54-29 zertifiziert
- • Technologie: optisch + Wärme kombiniert – beide Sensoren müssen Schwellwert für Alarm erreichen
- • Deutlich geringere Fehlalarmrate als bei Einzeltechnologie-Detektoren
- • Standard-Spezifikation für kommerzielle KNX-Projekte in der EU und im Vereinigten Königreich
- • Adressierbare analoge Panels überwachen optische UND Wärmewerte unabhängig voneinander
- • Beispiel: Hochiki DCSP-E (optisch + Wärme), Apollo Soteria Multisensor
Detektorabstandsregeln: EN 54-7
EN 54-7 definiert die maximale Bodenfläche pro optischem Rauchmelder und passt die Abdeckung an Deckenhöhe, Hindernisse und Dachgeometrie an. Diese Regeln sind verbindlich – eine unzureichende Abdeckung führt zum Verlust der EN 54-2 Systemzulassung.
| Bedingung | EN 54-7 Regel | Praktische Auswirkung |
|---|---|---|
| Offene Flächenabdeckung | Maximal 60 m² pro Melder in offenen Flächen mit flacher Decke | Rasteranordnung: 7,8 m × 7,8 m Abstand für Büro mit flacher Decke |
| Raumhöhe ≤ 6 m | Standardabdeckung von 60 m² gilt | Keine Reduzierung für standardmäßige gewerbliche Raumhöhe erforderlich |
| Raumhöhe 6–9 m | Überwachungsbereich reduziert – Herstellerabstandstabelle konsultieren | Detector spacing must be reduced; use manufacturer's fire engineering data |
| Ceiling height > 9m | Hochempfindlicher oder Ansaugrauchmelder erforderlich (EN 54-20) | Standard-Optische Melder können Rauch bei sehr hohen Decken nicht zuverlässig erkennen |
| Balkenhindernis | Beams > 300mm deep create separate detection zones below the beam | Melder in jeder durch Balken gebildeten Kammer erforderlich — nicht über Strukturbalken hinweg anordnen |
| Schrägdach | Melder innerhalb von 600 mm vom First (Grat) | First ist der höchste Rauchsammelpunkt — immer den ersten Melder am First platzieren |
| Unterteilte Bereiche | Each partitioned space > 0.1m² requires a detector | Bürokabinen, Serverräume, Lagerräume benötigen jeweils mindestens einen Melder |
Falschalarmmanagement (AFD)
Analogue addressable panels continuously track each detector's sensitivity drift and can apply confirmation delays before triggering the alarm output. This Automatic Fire Detection (AFD) logic significantly reduces unwanted alarms without compromising genuine fire detection.
Überwachung der Empfindlichkeitsdrift
- • Die Zentrale liest alle 3 Sekunden den Wert der optischen Kammer
- • Drift über Zeit – verschmutzte Kammer erhöht Basislinie
- • Panel flags detector as 'dirty' before it causes false alarm
- • Wartungshinweis vor unerwünschtem Alarm – nicht danach
- • Nur adressierbar – konventionelle Panels können dies nicht
Ursache-Wirkungs-Verzögerung (Bestätigung)
- • Einzelmelderalarm → 30-sekündige Bestätigungsverzögerung
- • Wenn Alarm nach 30 Sekunden anhält → vollständiger Alarmausgang
- • Wenn Alarm innerhalb von 30 Sekunden verschwindet → Untersuchungsmodus, kein Ausgang
- • Zwei Melder im selben Bereich alarmieren → sofortiger Ausgang (keine Verzögerung)
- • Verzögerung pro Bereich in der Schalttafelsoftware konfigurierbar — Leitfaden nach BS 5839-1 Anhang D
Bereichsübergreifende Erkennung
- • Zwei Melder im selben Bereich müssen beide alarmieren, bevor ein Ausgang erfolgt
- • Verhindert, dass ein einzelner verbrannter Toast oder Dampf eine Evakuierung auslöst
- • Erfordert mindestens 2 Melder pro Bereich, damit die bereichsübergreifende Erkennung funktioniert
- • Üblich in Großküchen, Wäschereien, staubigen Umgebungen
- • Brandschutzingenieur muss bestätigen, dass die Zonenübergreifungslogik BS 5839-1 L-Grad erfüllt
Wartungsplan
BS 5839-1 Abschnitt 9 und EN 54-2 verlangen ein dokumentiertes Wartungsprogramm. Der untenstehende Plan ist das Minimum – stark staubige oder stark frequentierte Umgebungen erfordern häufigere Inspektionen.
| Häufigkeit | Aufgabe | Methode | Aufzeichnung |
|---|---|---|---|
| halbjährlich | Empfindlichkeitstest aller Melder | Adressierbar: Analogwert aus dem Bedienfeldprotokoll auslesen. Konventionell: Aerosol-Rauchtest an jedem Melderkopf | Empfindlichkeitsmesswerte protokollieren – mit den bei der Inbetriebnahme ermittelten Basiswerten vergleichen |
| halbjährlich | Alle Signalgeber und optischen Anzeigen testen | Testalarm auslösen – überprüfen, ob alle Signalgeber in jeder Zone funktionieren | Ausfälle dokumentieren; sofort ersetzen |
| halbjährlich | Überprüfen, ob alle Relaisausgänge funktionieren | Testmodus auslösen — bestätigen, dass KNX-Integrationsrelaisausgänge korrekt arbeiten und zurückgesetzt werden | Log relay output test results in O&M record |
| Jährlich | Vollfunktionstest nach BS 5839-1 | Brand in jeder Zone simulieren — Ursache-Wirkungs-Aktionen einschließlich KNX-Ausgänge überprüfen | Jährliches Servicezertifikat ausstellen |
| Jährlich (hohe Staubbelastung) | Melderköpfe in staubigen Bereichen austauschen | Küchenabzug, Werkstätten, Garagen – hohe Verschmutzungsrate verkürzt die Lebensdauer des Melders | Kopfaustausch im Schaltbuch protokollieren |
| Alle 5 Jahre | Alle Melderköpfe austauschen (gemäß BS 5839-1) | Die Empfindlichkeit von Meldern driftet nach 5–10 Jahren irreversibel – vorbeugend austauschen | Inbetriebnahmeprotokoll mit neuen Kopf-Seriennummern aktualisieren |
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