KNX-Puffer · Superkondensator · Gira 2093 · Notstrom · Sicherheitskritisch · 8 Min. Lesezeit

KNX-Puffermodule: Unterbrechungsfreie Stromversorgung für sicherheitskritische Funktionen

Sicherheitskritische KNX-Funktionen – Feuerschutzklappenaktoren, Not-HLK, Treppenhausbeleuchtungsrelais und Zutrittskontrolle – tolerieren den 5–30 Sekunden dauernden Busneustart nach einem Netzausfall nicht. Puffermodule schließen diese Lücke, indem sie während Netzunterbrechungen die 29-V-Busspannung aus einer Superkondensatoranordnung aufrechterhalten.

Warum den KNX-Bus puffern?

Bei Netzausfall verliert ein ungepufferter KNX PS640 innerhalb von Millisekunden die Ausgangsspannung. Alle Busteilnehmer schalten ab. Bei Netzwiederkehr führt jedes Gerät eine Initialisierungssequenz durch: Einlesen gespeicherter Parameter aus dem EEPROM, Senden von Programmiermodus-Anfragen und Beitritt zur logischen Linie. Dieser Neustartvorgang dauert je nach Gerätekomplexität zwischen 5 und 30 Sekunden.

Für die meisten KNX-Funktionen – Beleuchtung, Jalousiesteuerung, Temperatursollwerte – ist ein kurzer Neustart akzeptabel. Für sicherheitskritische Ausgänge ist er es nicht:

Inakzeptable Neustartszenarien

  • Brandschutzklappen-Aktor startet während eines Brandereignisses neu – Klappe kann in Mittelstellung stecken bleiben
  • Türschloss-Relais der Zutrittskontrolle löst bei einem Spannungsabfall aus – Sicherheitsverletzung
  • Rauchabzugsklappen-Aktor startet neu – unbekannte Lamellenposition für 15 Sekunden
  • Not-HVAC-Relais fällt während eines Ereignisses ab – Verlust der Druckhaltungsregelung

KNX-Funktionen, die Neustart tolerieren

  • Standard-Lichtaktoren – kurz ausschalten und dann letzten Zustand wiederherstellen
  • HVAC-Zonenventilaktoren – Ausschalten während des Neustarts ist akzeptabel
  • Jalousie- und Rollladenaktoren in nicht sicherheitsrelevanten Kontexten
  • Zähler- und Energiemonitoringgeräte

Funktionsprinzip des Puffermoduls

Ein KNX-Puffermodul enthält eine Bank aus Hochleistungs-Superkondensatoren (elektrische Doppelschichtkondensatoren, EDLC). Während des normalen Netzbetriebs werden diese Kondensatoren aus der KNX-Bus-Spannungsversorgung von 29 V geladen. Bei Erkennung eines Netzausfalls schaltet ein DC/DC-Wandler in den Entlademodus um, bezieht Energie aus der Kondensatorbank und hält die Busspannung bei 29 V ± 0,5 V. KNX-Geräte, die an den Bus angeschlossen sind, erkennen keine Unterbrechung der Versorgung – sie arbeiten während des Netzausfalls normal weiter.

Energiespeicherprinzip des Puffermoduls

Normal operation:
  Mains → PS640 → 29V bus → devices (operating)
                        ↓
                  Buffer module charges supercapacitors

Mains failure detected (within 10ms):
  PS640 output drops
  Buffer module DC/DC converter activates
  Supercapacitors → DC/DC → 29V bus maintained
  Devices: no interruption, no restart

Backup duration depends on:
  - Supercapacitor capacity (Wh)
  - Total bus current draw (mA)
  - DC/DC converter efficiency (~85%)

Backup time ≈ (Capacitor Wh × efficiency) / (Bus W)
Bus W = 29V × I_total (A)

Superkondensatoren vs. Batterien: Superkondensatoren laden und entladen in Sekunden bis Minuten, unterstützen Hunderttausende von Ladezyklen und verschlechtern sich über die typische Gebäudelebensdauer (20+ Jahre) nicht wesentlich. Lithiumbatterien bieten eine höhere Energiedichte für längere Überbrückungszeiten, müssen jedoch alle 3–5 Jahre ausgetauscht werden. Standard-DIN-Schienen-Puffermodule verwenden Superkondensatoren; externe Batterie-Puffermodule fügen Lithiumzellen für mehrstündige Überbrückung hinzu.

Gira 2093 Puffermodul

Das Gira 2093 ist das am weitesten verbreitete eigenständige KNX-Puffermodul in europäischen Gewerbeanlagen. Es belegt 2 DIN-Module, enthält einen 1,5-Wh-Superkondensator und wird parallel zum Ausgang des PS640 angeschlossen.

LeitungsauslastungBusstromaufnahmeUngefähre Überbrückungszeit
Leichte Last (~10 Geräte)~80 mA~2 Stunden
Mittlere Last (~25 Geräte)~180 mA~45 Minuten
Hohe Last (~40 Geräte)~300 mA~25 Minuten
Nahezu maximale Last (~60 Geräte)~500 mA~15 Minuten

Gira 2093 Verdrahtung — Parallelanschluss an PS640

PS640 output terminals:
  + (red)  → KNX bus + rail
  - (blue) → KNX bus - rail

Gira 2093 connections:
  + terminal → same KNX bus + rail  (parallel with PS640)
  - terminal → same KNX bus - rail  (parallel with PS640)

Polarity is critical — reverse connection damages the module.
Connect before powering up. LED indicator:
  Green solid  = charging from mains (normal)
  Green blink  = fully charged, mains OK
  Amber/red    = on buffer power (mains lost)

MDT PS640 mit integriertem Puffer

MDT bietet die Stromversorgung SCN-PS064.01 mit einer integrierten Pufferkondensatorbank-Option an. Dieses kombinierte Gerät bietet PS640-Funktionalität und Pufferfähigkeit in einem einzigen 4-moduligen Hutschienengehäuse und spart so Schaltschrankplatz im Vergleich zu einer separaten PS640 plus eigenständigem Puffermodul (das insgesamt 4 + 2 = 6 Module benötigen würde).

Vorteile der integrierten Einheit

  • Spart 2 Hutschienenmodule gegenüber separatem Puffer
  • Ein einziger Anschlusspunkt — keine externe Parallelverdrahtung erforderlich
  • Stromüberwachung über KNX-Statusobjekt (Busstrom in mA)
  • Puffer-Statustelegramm als KNX-Gruppenadresse verfügbar (DPT 1.001)

Wann separater Puffer verwendet werden sollte

  • Bestehendes PS640 bereits installiert – Gira 2093 ohne Austausch des Netzteils hinzufügen
  • PS1280 erforderlich – separaten Puffer parallel verwenden
  • Anderer PS-Hersteller spezifiziert – Gira 2093 universell hinzufügen

Berechnung der erforderlichen Überbrückungszeit

Die erforderliche Überbrückungszeit hängt von der jeweiligen Sicherheitsnorm ab, die jede sicherheitskritische KNX-Funktion regelt. Verwenden Sie die folgenden Anforderungen, um das richtige Puffermodul oder Lithium-Batteriesystem zu spezifizieren:

KNX-FunktionStandardErforderliche ÜberbrückungszeitPuffermodulauswahl
Brandschutz-JalousieaktorenEN 15650 / Bauvorschrift30 Min. (Fahrt) + 30 Min. Überwachung = 1 Std.Gira 2093 geeignet für Schwachlastleitungen
KNX-Zutrittskontroll-TürschlösserBREEAM / EN 50133 Empfehlung4h MinimumLithium-Batteriemodul erforderlich
Not-HLK-KlappenProjektspezifisch / FM1–2hLithium-Batteriemodul empfohlen
Notbeleuchtungsrelais für TreppenhausEN 50172Batterie-ECG auf separatem Stromkreis – KNX-Backup optionalSuperkondensator-Puffer ausreichend, wenn KNX-Backup gewünscht
Rauchabzug-VAV-KlappenEN 12101-61 h Minimum (Test und Überwachung)Gira 2093 oder kleines Lithiummodul

Lithium-Batterie-Puffermodule für erweiterte USV

Für Anforderungen an die Überbrückungszeit von 1–8 Stunden sind Superkondensator-Puffermodule nicht ausreichend. Lithium-Batterie-Puffermodule wie das MDT SCN-USB55S.01 oder die ABB SU/S-Serie schließen eine externe 12V-Lithiumbatterie an das Puffermodul an und ermöglichen so eine erweiterte USV über einen DC/DC-Wandler, der die 29V-Busspannung aufrechterhält.

Berechnung der Batteriekapazität — erweiterte USV

Formula:
  Battery capacity (Ah) = (I_bus × V_bus × t_hours) / (V_battery × η)

Where:
  I_bus     = total bus current (A)
  V_bus     = KNX bus voltage (29V)
  t_hours   = required backup time (h)
  V_battery = external battery voltage (12V)
  η         = DC/DC converter efficiency (~0.85)

Example: 40-device line, 200mA bus current, 8h backup required
  Capacity = (0.200 × 29 × 8) / (12 × 0.85)
           = 46.4 / 10.2
           = 4.55 Ah → specify 6Ah or 12Ah for margin

Battery replacement interval: typically 3–5 years
(check manufacturer specification; lithium degrades with cycles)
Include replacement schedule in maintenance documentation.

Batteriepuffer ist KEINE zusätzliche Stromkapazität: Das Anschließen eines Puffermoduls (Superkondensator oder Lithium) parallel zu einem PS640 erhöht nicht den verfügbaren Busstrom während des Normalbetriebs. Der Puffer liefert nur dann USV-Strom, wenn die PS640-Ausgangsspannung abfällt. Die Stromkapazität während des Normalbetriebs bleibt auf den PS640 (640 mA) begrenzt.

Schaltschrankinstallation und Verdrahtung

Puffermodule müssen neben dem PS640 auf derselben Hutschiene installiert und direkt an die KNX-Busschienen angeschlossen werden. Beachten Sie für die korrekte Installation folgende Regeln:

Checkliste für die Schaltschrankinstallation

1. Mount buffer module immediately adjacent to PS640 on DIN rail
2. Connect + terminal to KNX bus + (red bus bar)
3. Connect - terminal to KNX bus - (black/blue bus bar)
4. Verify polarity before energising — reverse polarity destroys module
5. Label buffer module with:
   - Manufacturer and model number
   - Backup time at current load (from table or calculation)
   - Date of installation (supercapacitor models) or
     battery date + next replacement date (lithium models)
6. Record buffer module in panel schedule
7. Test backup function during commissioning:
   - Disconnect mains to PS640
   - Verify bus remains powered (devices still active)
   - Reconnect mains — verify smooth transition back

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