Heizung · SG Ready · Wärmepumpe · KNX · Modbus · 10 Min. Lesezeit

Wärmepumpe KNX und SG Ready: Vitocal, Aquarea und arotherm Plus Eigenverbrauchssteuerung

Die Integration von Luftwärmepumpen in KNX über den SG Ready-Standard ermöglicht die Optimierung des PV-Eigenverbrauchs – überschüssige Solarenergie wird zum Heizen des Gebäudes oder zur Warmwasserbereitung genutzt, anstatt sie zu niedrigen Einspeisevergütungssätzen zu exportieren. Die Modbus-TCP-Integration erweitert dies um eine variable Sollwertsteuerung und Echtzeit-COP-Überwachung.

SG Ready-Standard: 4 Betriebszustände

SG Ready (Smart Grid Ready) ist ein deutscher BWP-Standard (Bundesverband Wärmepumpe) für netzreaktive Wärmepumpensteuerung. Zwei potenzialfreie Eingänge (S1, S2) auf der Wärmepumpenplatine definieren vier Betriebszustände – es wird kein komplexes Kommunikationsprotokoll benötigt, nur zwei Relaiskontakte vom KNX-System.

ZustandS1S2BedeutungKNX-Auslöser
1 — Gesperrt1 (geschlossen)0 (offen)Netzüberlastung — WP ausNie für PV genutzt; nur Netzsignal
2 — Normal0 (offen)0 (offen)StandardbetriebPV surplus < 1 kW
3 — Ermutigt0 (offen)1 (geschlossen)Mit erhöhter Kapazität betreibenPV-Überschuss 2–5 kW
4 — Maximalbetrieb1 (geschlossen)1 (geschlossen)Überschüssige PV-Leistung — maximale KapazitätPV surplus > 5 kW

KNX realisiert SG Ready mit zwei KNX-Binärausgangs-Relaiskanälen — einer pro Kontakt. Der PV-Wechselrichter-Überschusswert (Fronius, SMA oder Huawei Modbus) steuert die KNX-Logik, die den Relaiszustand setzt.

Viessmann Vitocal SG Ready Verdrahtung

Der Klemmenblock X1.3 der Vitocal 250-A und 300-A Leiterplatte bietet den SG-Ready-2-Draht-Eingang. Die Klemmen 63 (S1), 64 (S2) und 65 (GND gemeinsam) akzeptieren potenzialfreie Kontakte — genau das, was ein KNX-Relaisaktor bereitstellt.

Verdrahtung Vitocal X1.3 mit MDT BJ65-AB08.01 Relaisaktor

MDT BJ65-AB08.01 relay channel 1:
  Common (COM) → X1.3 terminal 65 (GND)
  NO output    → X1.3 terminal 63 (S1)

MDT BJ65-AB08.01 relay channel 2:
  NO output    → X1.3 terminal 64 (S2)
  (share COM terminal 65 with channel 1)

ETS6 Group Addresses:
  GA 11/0/0 → S1 relay (DPT 1.001, 0=open, 1=closed)
  GA 11/0/1 → S2 relay (DPT 1.001, 0=open, 1=closed)

KNX PV surplus logic (MDT Logic Module):
  PV surplus (GA 9/0/1, watts) > 5000W:
    → Send 1 to GA 11/0/0 (S1 closed)
    → Send 1 to GA 11/0/1 (S2 closed) → State 4
  PV surplus 2000–5000W:
    → Send 0 to GA 11/0/0 (S1 open)
    → Send 1 to GA 11/0/1 (S2 closed) → State 3
  PV surplus < 1000W:
    → Send 0 to GA 11/0/0 (S1 open)
    → Send 0 to GA 11/0/1 (S2 open) → State 2

Panasonic Aquarea SG Ready über natives KNX

Der Panasonic Aquarea J- und K-Serien CZ-CAPRA1 KNX-Adapter eliminiert die Relaisverdrahtung vollständig. Der SG-Ready-Zustand wird direkt über ein KNX-Gruppenobjekt gesetzt – der Adapter übersetzt den KNX-DPT-Wert in die interne SG-Ready-Zustandsmaschine der Aquarea.

CZ-CAPRA1 SG Ready Gruppenobjekt

ETS6 Application: CZ-CAPRA1 KNX adapter
Parameter: SG Ready → Enable
Group object: DPT 5.001 (0–100%)
  Value 0  → SG Ready State 2 (Normal)
  Value 1  → SG Ready State 3 (Encouraged)
  Value 2  → SG Ready State 4 (Run-at-max)

GA 11/0/2 (Aquarea SG Ready state, DPT 5.001)

KNX logic thresholds (same as relay approach):
  PV surplus > 5000W → send value 2 to GA 11/0/2
  PV surplus 2000–5000W → send value 1
  PV surplus < 1000W → send value 0

No relay wiring required — Aquarea receives state
directly via KNX TP bus from CZ-CAPRA1 adapter

Vorteil der Aquarea: Der CZ-CAPRA1 stellt auch Vorlauftemperatur, Warmwassertemperatur, Betriebsart und Energiezähler als KNX-Gruppenobjekte bereit – vollständige Überwachung ohne separates Modbus-Gateway. Für Neubauprojekte mit Panasonic-Wärmepumpen ist CZ-CAPRA1 der empfohlene Integrationsansatz.

Vaillant arotherm plus SG Ready und Modbus

Die Vaillant arotherm plus verwendet denselben relaisbasierten SG-Ready-Verdrahtungsansatz wie die Vitocal – Klemmen S1 (Pin 10) und S2 (Pin 11) auf dem Klemmenblock der arotherm plus Platine. Die arotherm plus unterstützt auch Modbus TCP über das VR940F-Modul, was eine erweiterte Steuerung über die feste SG-Ready-Zustandsmaschine hinaus ermöglicht.

arotherm plus Modbus TCP Registerkarte (VR940F)

Register 1:  Flow setpoint (°C×10, read/write)
Register 5:  Current COP (×100, read-only)
             COP 350 = 3.50 (multiply by 0.01)

Modbus control vs SG Ready comparison:
  SG Ready:  3 fixed states (Normal / Enhanced / Max)
  Modbus:    Variable setpoint writes every 60 seconds
             e.g. 37°C (economy), 45°C (boost), 50°C (DHW)

For PV optimisation via Modbus:
  PV surplus 1–3 kW → setpoint 39°C
  PV surplus 3–6 kW → setpoint 45°C
  PV surplus > 6 kW → setpoint 50°C (DHW)
  Night rate tariff → setpoint 42°C (pre-heat buffer)

Die Modbus-Sollwertregelung ermöglicht eine stufenlose Vorlauftemperaturoptimierung anstelle des binären Ein-/Ausschaltens der SG-Ready-Zustände – verbessert die COP bei teilweisem PV-Überschuss und ermöglicht witterungsgeführte Sollwertpläne.

Optimierung der Wärmepumpen-COP mit KNX-Witterungsführung

Die COP einer Wärmepumpe ist bei milden Außentemperaturen und niedrigen Vorlauftemperaturen am höchsten. Eine Vitocal 250-A erreicht bei 10°C Außentemperatur und 35°C Vorlauf eine COP von 4,5–5,0; bei -5°C Außentemperatur und 50°C Vorlauf sinkt die COP auf 2,5–3,0. Die witterungsgeführte KNX-Sollwertregelung maximiert die saisonale COP (SCOP).

Witterungsführung – MDT Logic Module

Input:  GA 8/2/0 (Outdoor temperature, °C, DPT 9.001)
Output: GA 11/1/0 (HP flow setpoint, °C, DPT 9.001)
        → Modbus write → VR940F register 1

Linear compensation curve:
  Outdoor +15°C → flow setpoint 30°C (min HP output)
  Outdoor  +5°C → flow setpoint 37°C (mild heating)
  Outdoor   0°C → flow setpoint 42°C
  Outdoor  -5°C → flow setpoint 47°C
  Outdoor -10°C → flow setpoint 50°C (maximum)

ETS6 MDT Logic Module: linear interpolation function
  Input range: -10°C to +15°C
  Output range: 50°C to 30°C (inverse relationship)
  Update interval: every 15 minutes (Modbus write)

Pufferspeicher der Wärmepumpe und Kurzzyklusvermeidung

Wärmepumpen benötigen einen Pufferspeicher (50–200 Liter je nach WP-Leistung) zwischen dem WP-Primärkreis und dem sekundären Heizkreis. Die KNX-Pufferspeichertemperaturüberwachung verhindert Kurzzyklen, indem sie sicherstellt, dass die WP mindestens 10 Minuten pro Start läuft.

Pufferspeicher-Regelungslogik – ETS6

Buffer tank top sensor: Pt1000 or NTC
  → MDT SCN-TM55P.02 temperature input module
  → GA 8/3/0 (Buffer Top Temperature, DPT 9.001)

HP start condition:
  IF GA 8/3/0 < 35°C
  AND GA 11/2/0 (HP running) = 0
  AND time since last stop > 10 minutes
  THEN write mode 1 (heating) to HP Modbus register 100

HP stop condition:
  IF GA 8/3/0 > 50°C
  THEN write mode 0 (standby) to HP Modbus register 100

Minimum run time interlock:
  HP start timestamp stored in ETS6 variable
  HP stop only permitted if (now - start) > 10 minutes
  Prevents compressor short-cycling — protects compressor

Pufferspeicher-Dimensionierung: Mindest-Puffervolumen = WP-Leistung (kW) × 10 Liter. Eine 10-kW-Wärmepumpe benötigt einen Pufferspeicher von mindestens 100 Litern. Zu kleine Pufferspeicher verursachen Kurztaktung unabhängig von der KNX-Logik – die Puffertemperatur ändert sich zu schnell, als dass die Mindestlaufzeitverriegelung wirksam sein könnte.

Inbetriebnahme-Testsequenz

Führen Sie die folgende Testsequenz nach dem ETS6-Download und der Modbus-Gateway-Konfiguration durch. Testen Sie die SG-Ready-Zustände, bevor Sie die Live-PV-Überschusslogik aktivieren.

SchrittAktionErwartetes Ergebnis
1Manuelles Auslösen von S2=1 im ETS6 Group MonitorHP-Display zeigt SG-Ready-Zustand 3 – Leistungssteigerungsmodus
2Auslöser S1=1, S2=1HP läuft mit maximaler Leistungsabgabe – Zustand 4 bestätigt
3Beide Relais auf 0 setzenHP kehrt zur normalen Zeitplanung zurück – Zustand 2
440°C in das Vorlaufsollwert-Modbus-Register schreiben (falls mit Modbus ausgestattet)HP-Vorlauftemperatur steigt innerhalb von 15 Minuten auf 40°C
5PV-Überschuss simulieren: Fronius GA 9/0/1 im Gruppenmonitor auf -4000W setzenKNX-Logik löst SG Ready Zustand 3 automatisch aus
6Simulate PV surplus > 5000WKNX-Logik löst SG Ready Zustand 4 automatisch aus

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